Um analoge Dias, Negative und Fotos ins digitale Zeitalter zu retten, waren bislang teure Profigeräte um die 1.000 Euro notwendig. Pearl präsentiert nun unter dem Titel „Profi-Dia- & Foto-Scanner“ zwei günstige und bedienerfreundliche Spezial-Scanner für Fotoliebhaber. Inwieweit die beiden Geräte ihre Rettungsversuche erfolgreich ausführen, hat magnus.de in der Praxis genau untersucht.

Pearls Somikon Universal Foto-Scanner (links) und Dia-/Negativ-Scanner (rechts) digitalisieren Erinnerungen vergangener Tage - leider mit durchwachsenem Erfolg.
Tage werden kürzer, Abende länger. Viel Zeit, um in verschollen geglaubten Schuhkartons nach alten Erinnerungen zu wühlen. Doch beim Anblick der Schnappschüsse weicht die Nostalgie rasch der Besorgnis: Fotos gilben allesamt vor sich hin und Dias verblassen oder verkratzen zunehmend. Was folgt, ist der Gedanke an eine ausgiebige Rettungsaktion, um irgendwie seine analogen Momentaufnahmen zu digitalisieren und so für sich und der Nachwelt zu erhalten. Als erfreulicher Nebeneffekt könnte man sich künftig die gesamte Bilderkollektion bequem am Fernseher ansehen und die alten Schachteln auf immer und ewig in den Keller verbannen. Die Motivationsbremse etwaiger Foto-Bergungen ist der damit verbundene Aufwand, der entweder in zeitlicher oder finanzieller Form aufs Gemüt drückt.
Das 3D-Bild kann leider nicht angezeigt werdenBitte laden Sie den kostenlosen
Adobe Flash Player herunter, um diesen Inhalt anzuzeigen und stellen Sie sicher, dass Javascript in Ihrem Browser aktiviert ist.
Beim Dia-Scan zum Beispiel hat man bislang zwei Möglichkeiten: Entweder man besorgt sich einen professionellen Dia-Scanner, der Dias magazinweise durchschiebt und somit fast im Minutentakt Hunderte von Dias wegsichert. Anschließend erteilt die dazu passende
Software den verblassten Aufnahmen gleich noch ein frisches Facelifting und beseitigt Kratzer oder ähnliche Gebrauchsspuren. Der Nachteil: So ein Geräte wie etwa der Reflecta DigitDia 500 kostet rund 1.400 Euro – und das ist noch nicht der teuerste Vertreter seiner Zunft. Die zweite Möglichkeit wäre ein Flachbettscanner mit aufsetzbarer oder integrierter Durchlicht-Einheit. Solche Geräte wie zum Beispiel der
Hewlett-Packard Scanjet G2710 wechseln bereist ab 80 Euro den Besitzer und ermöglichen eine durchweg vorzeigbare Qualität. Der Haken. Sie brauchen sich für diesen Winter nichts mehr vorzunehmen, denn die langen Abende verbringen Sie vorm PC. Flachbett-Scanner bewältigen maximal vier Dias auf einmal und ein Scanvorgang an sich verschlingt locker eine Minute.
Pearl Somikon Dia-, Negativ - und Foto-Scanner
Nun bietet der Elektronik-Versandhändler Pearl neuerdings zwei Spezial-Scanner an, die vollmundig beste Qualität bei blitzschneller Scanzeit (unter 1 Sekunde!) zum kleinen Preis versprechen. Dabei handelt es sich zum einen um den Dia-
& Negativ-Scanner mit der Bestellnummer PX-2130-19 für 99,90 Euro und zum anderen um den
Universal Foto-Scanner mit der Bestellnummer PX-2131-19 für 129,90 Euro. Erstgenannter digitalisiert also ausschließlich Dias und Foto-Negative, während Letzterer bereits aufs Papier verewigte Fotografien in den Rechner einliest. Diese
Bilder dürfen jedoch nur in den Formaten 9 x 13, 10 x 15 und 13 x 18 vorliegen, womit Pearls Universal Foto-Scanner nicht ganz so universell wirkt, wie der Name suggeriert. Doch kommen wir zu den Geräten im Einzelnen.
Pearl Somikon Dia- & Negativ-Scanner: Installation hui, Bildqualität pfui!

Pearls Somikon Dia- und Negativ-Scanner verarbeitet, wie der Name bereits dezent andeutet, Dias und Foto-Negative. Preis des Digitalisierers: 99,90 Euro.
Viel Kunststoff fliegt einem beim Auspacken des Dia-Scanners entgegen. Neben dem eigentlichen Gerät liegen noch je ein Halterahmen für Dias und Negative mit bei sowie eine Reinigungsbürste, die Software-CD inklusive Treiber und Bildbearbeitung plus eine Kurzanleitung auf deutsch und italienisch. Der Dia-Halterahmen fasst drei Dias gleichzeitig, in die Negativ-Halterung passen sechs Aufnahmen. Erfreulich unkompliziert verläuft die Installation. Der Diascanner begnügt sich mit einem einzigen Kabel – dem USB-Kabel. Darüber bezieht der Scanner auch gleich seine Stromversorgung. Nach dem Anstecken flink den Treiber von der CD installieren und schon kann’s losgehen mit Digitalisieren. Die Halterahmen selbst machen nicht den Eindruck, für die Ewigkeit gebaut zu sein. Eher regt sich des Anwenders Hoffnung, dass sie ein paar Hundert Dias schon irgendwie überstehen werden. Mehr Erkenntnis bringt hier ein Langzeittest, Fingerspitzengefühl ist beim be-
und entladen jedenfalls angebracht.
Somikon Dia/Negativ-Scanner
Somikon Dia/Negativ-Scanner
Pearl Somikon Dia- und Negativ-Scanner
Technische Daten
Auflösung:
1.800 dpi (3.600 dpi interpoliert)
Speicherformate:
JPG, TIF
Anschluss:
USB 2.0 und 1.1
Dia- und Negativ-Format:
35-mm-Film & 5 x 5 cm gerahmt
Maße (B x T x H):
95 x 102 x 178 mm

Einfach Bedienung

Schneller als Flachbett-Scanner

Mangelhafte Bildqualität

Halterahmen billig verarbeitet
Fazit: Unkomplizierte Bedienung, aber unzureichende Qualität.
Preis-Leitung:
ausreichend
Ist der Dia-Scanner schließlich bereit, schiebt man von rechts die befüllten Halterahmen gefühlvoll ins Gerät, bis das erste Dia einrastet. Die Treiber-Software präsentiert am PC-Bildschirm via Live View (also in Echtzeit) eine Vorschau. Jetzt lassen sich kleinere Korrekturen in der Ausrichtung des Dias vornehmen. Der Dia-Schlitten hat im Einschub nämlich doch soviel Spiel, dass ein Dia schon mal leicht schräg in den PC gebeamt werden könnte. Durch einen beherzten Druck auf die Copy-Taste am Gerät knipst der Dia-Scanner dass in der Vorschau gezeigte Bild ab und speichert es in der Zwischenablage – und dies geschieht tatsächlich unter 1 Sekunde. Außerdem zeigt ein Miniatur-Filmstreifen bis zu 12 von diesen so genannten Snapshots an. Spätestens dann empfiehlt sich ein Mausklick auf den Transfer-Button der Scanner-Software, um eine Datenübertragung auf den PC zu veranlassen.
Bis zu diesem Punkt überwiegt durchaus die Begeisterung über den Neuerwerb.
Ernstes Stirnrunzeln verursacht jedoch das visuelle Ergebnis, dass sich nach dem abfotografieren (denn eigentlich scannt der Dia-Scanner gar nicht, er knipst ab!) auf dem PC-Monitor wieder findet. Das grundsätzliche Problem aller Dia-Kopien ist eine vom Scanner erzeugte Überbelichtung – oder simpel ausgedrückt, die Durchlichteinheit strahlt viel zu hell. Während man bei dunkleren Original-Aufnahmen das weit hellere Ergebnis noch zur Geschmacksfrage erklären könnte, erscheinen Scans von Freiluftaufnahmen bei sonnigem Wetter einfach deutlich überstrahlt. So verliert das Bild stark an Details, Konturen und teils ganzen Bildelementen (siehe auch Bilder-Galerie). Zudem versieht der Pearl-Scanner die Duplikate mit einem üppigen Blau-Schleier. Mit dem Original haben die Scans jedenfalls nicht mehr viel zu tun.
Pearl Somikon Universal Foto-Scanner: Akzeptable Qualität, eingeschränkte Formatvielfalt!
Brotkasten? Aktenvernichter? CD-Waschanlage? All dies waren fragende Reaktionen beim ersten Anblick von Pearls Universal Foto-Scanner. Besonders sexy guckt er tatsächlich nicht drein und das Verhältnis von bulliger Bauform bei geringem Gewicht wertet den ersten Eindruck auch nicht gerade auf. In erster Linie soll er aber Bilder scannen und keinen Schönheitspreis gewinnen.

Der Pearl Somikon Universal Foto-Scanner verarbeitet Bilder in den Formaten 9 x 13, 10 x 15 und 13 x 18 cm. Preis des Knipsers: 129,90 Euro.
Die Installation verläuft wie schon bei seinem Dia-scannenden Kollegen zackig und problemlos ab. Ein USB-Kabel sorgt für Stromversorgung sowie Datenübertragung und die Treiber sind rasch von CD installiert. Erste Einschränkungen im Vergleich zu einem herkömmlichen Flachbett-Scanner erfährt der Anwender, wenn er Fotos jenseits der aktuell üblichen Standardformate retten will. Mitgeliefert werden nur Einschubrahmen für die Formate 9 x 13, 10 x 15 und 13 x 18 cm. Kleine DIN A4-Poster bleiben genauso ungescannt wie ältere Formate aus der Kriegs-
und Wirtschaftswunder-Zeit, als Bilder teils nur halb so groß waren wie heute. Ein normaler Flachbettscanner hat in punkto Formatflexibilität also klar die Nase vorne.
Somikon Universal Foto-Scanner
Somikon Universal Foto-Scanner
Pearl Somikon Universal Foto-Scanner
Technische Daten
Auflösung:
1.800 dpi (3.600 dpi interpoliert)
Speicherformate:
JPG, TIF
Anschluss:
USB 2.0 und 1.1
Foto-Formate:
9 x 13, 10 x 15, 13 x 18 cm
Maße (B x T x H):
220 x 280 x 164 mm

Einfach Bedienung

Schneller als Flachbett-Scanner

Nur ausreichende Bildqualität

Wirkt bullig und billig verarbeitet
Fazit: Gute Bedienung, noch brauchbare Bildqualität, fürs Gebotene aber zu teuer.
Preis-Leitung:
ausreichend
Selbst bei normalformatigen Vorlagen erarbeitet sich Pearls Universal Foto-Scanner keine Vorteile. Sogar stringenter als bei einem Flachbettscanner muss jedes Foto einzeln abfotografiert werden. Das erledigt Pearls Universal Foto-Scanner zwar in Windeseile, dafür muss aber jedes Foto erst mal in und danach wieder aus den Rahmen gepfriemelt werden und ein Flachbett-Scanner scannt zudem schon mal zwei bis vier Fotos in einem Durchgang. Auch die Hoffnung, beim Sichern eventuell ohne Bildbearbeitung auszukommen, erfüllt der Spezial-Scanner nicht; da dass Gerät den Halterahmen der Fotos mit ablichtet, muss man den Bildinhalt per Software wenigstens aus dem grauen Rahmen herausschneiden. Letztendlich ist die Art der Bedienung – womit man lieber arbeitet – bestenfalls eine Geschmacksfrage. Bleibt noch die eigentliche Frage zu klären: die Frage der Bildqualität.
Zum Glück entspricht das Endergebnis nicht dem, was die Live-View-Vorschau präsentiert – ein vor Schamesröte angelaufener Fehlschuss (siehe Bildgalerie). Was dann nach dem Datentransfer auf dem PC-Monitor landet, ist tatsächlich wieder erkennbar. Zwar hat auch der Foto-Scanner grundsätzlich das Problem, alles eher zu hell auszuleuchten, vor allem mittig des Bildes, aber es wirkt nicht ganz so überbelichtet wie beim Dia-Scanner. Ebenfalls unschön ist die mangelnde Auflösung bei Grau/Schwarz-Flächen und dass feine Details manchmal etwas unscharf wirken. Ob die errungene Bildqualität für Archivierungen an die Nachkommenschaft ausreicht, liegt letztendlich am eigenen Anspruch – auch hier helfen Ihnen Beispielaufnahmen in der Bildergalerie weiter. Für schnelle Scans fürs Web oder eventuelle Einladungsdrucke reicht das Ergebnis immerhin aus.
Fazit: Ein guter Flachbettscanner bleibt die bessere Wahl!
Egal ob nun Fotos, Dias oder Negative, in allen drei Fällen erhascht sich das Pearl-Scanner-Duo einen Pluspunkt: die Geschwindigkeit. Dadurch, dass die Pearl-Geräte nicht wirklich scannen, sondern abfotografieren, ist eine Aufnahme tatsächlich innerhalb einer Sekunde erfasst, hinzukommen dann noch rund fünf Sekunden zur Dateiübertragung auf die PC-Festplatte. Zum Vergleich: ein Flachbettscanner braucht pro Scanvorgang rund eine Minute.
Welche alten Analog-Schätze möchten Sie dringend ins digitale Zeitalter retten?
Allerdings verarbeitet ein Scanner auch schon mal bis zu vier Aufnahmen in einem Zug und das, was dann digitalisiert vorliegt, ist in der Regel um ein bis zwei Klassen hochwertiger als die Knips-Ergebnisse des Pearl-Duos. Selbst unser Sparringspartner für die Pearl-Armada, ein rund acht Jahre alter Flachbett-Scanner Perfection 1240 U mit Durchlichteinheit von
Epson (damals rund 300 Mark) erzielte bei allen drei Vorlagen bessere Ergebnisse (siehe Fotogalerie) – und das trotz der nicht mehr zeitgemäßen Auflösung von 1.200 dpi. Aber sowohl bei der Farbtreue als auch bei der Detailschärfe und Helligkeitsverteilung haben die Geräte des Herstellers Somikon deutlich das Nachsehen. Da aktuelle Scanner mit Durchlichteinheit für Dias und Negative ganz nebenbei auch noch Fotos oder Dokumente einlesen und bereits für unter 80 Euro zu erwerben sind, stellt sich hier schlicht und einfach die Sinnfrage, für welche Zielgruppe die beiden Geräte bestimmt sind. Liegt Ihr Anliegen darin, Aufnahmen aller Art originalgetreu und günstig vor dem Zahn der Zeit zu bewahren, müssen Sie diesen Winter wohl oder übel doch vorm PC samt Flachbett-Scanner verbringen – mit etwas Punsch, Weihnachtsgebäck und Kerzenlicht kann ja auch das ganz nett werden!