
In "LOL" spielt Sophie Marceau eine Mutter, die sorgenvoll das Heranwachsen ihrer Tochter beobachtet. (Quelle: Delphi)
Die Zeiten ändern sich: In "LOL" spielt Sophie Marceau eine Mutter, die sorgenvoll das Heranwachsen ihrer Tochter beobachtet - letztendlich aber mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat wie sie.
Zwei Teile "La Boum", diese geheimnisvolle Sprache, dazu wilde Geschichten der Parallelklasse vom Schüleraustausch mit einem Pariser Vorort: Als Teenager hat man neidvoll gen Westen geblickt, denn: Franzosen, so hieß es damals, seien nicht nur um ein ganzes Eck schöner und stilvoller als das eigene Umfeld, sondern auch früher sexuell aktiv. Die Beziehungskomödie "LOL" mit "La Boum"-Star Sophie Marceau, das vorweg, unterstreicht vor allem den ersten Teil der These. Alle Protagonisten, vor allem die jüngeren, sehen gnadenlos gut aus. Die Jungs wie Miniatur-Ausgaben französischen Pop-Kapellen, die Mädchen wie halbfertige Versionen von Agyness Deyn oder Kate Moss.

Liebe oder so: Eigentlich verstehen sich Lola (Christa Theret) und ihre Mutter Anne (Sophie Marceau) bestens. (Quelle: Delphi)
Die Handlung, die ist schnell erzählt und bewegt sich im Rahmen dessen, was das Genre eben ausmacht. Lola (Christa Theret) stellt nah den Sommerferien fest, dass Arthur (Félix Moati) sie betrogen hat
- und flüchtet in ihrem Liebeskummer zu Mael (Jérémy Kapone) - Arthurs bester Freund und Band-Kumpel. Ihre Mutter Anne (Sophie Marceau) hat indes so ihre Geheimnisse: Zunächst einmal ist da Lolas geschiedener Vater, der ab und an auf ein Schäferstündchen vorbeikommt. Vor allem aber verliebt sie sich ausgerechnet in den Polizisten, der für die Drogenprävention an Lolas Schule verantwortlich ist. Alles also Alltag - doch der eskaliert, als Anne Lolas Tagebuch findet ...
Kino-Kritik: LOL - Laughing Out Loud

Mael (Jérémy Kapone) ist schon ein ganz guter Typ - findet Lola (Christa Theret). (Quelle: Delphi)
Lisa Azuelos inszenierte "LOL" als ebenso traditionalistisches wie progressives Coming-Of-Age-Märchen. Dass selbst eine Szene, in dem eine von Lolas Klassenkameradinnen mit ihrer Webcam das Innere eines rohen Huhns filmt und in einem Online-Chat als ihre Vagina präsentiert, nicht ins Lächerliche abdriftet, zeigt dabei gut, wie dosiert Azuelos Klamauk einsetzt. Realistisch und freudvoll schildert sie ein Leben zwischen Schulhof, Elternhaus, Party und Proberaum.
Nur einmal schlägt sie über die Stränge: Großbritannien
- ein Teil des Films spielt bei einer Klassenfahrt - schildert sie als ebenso verregnetes wie kulturloses Ödland mit völlig verdummten Einwohnern. Bemerkenswert konsequent ist die Art und Weise, wie moderne Kommunikationsmittel in die Handlung einfließen.
Handy und Computer, die wohl wichtigsten Besitztümer der jungen Generation, sind ständig im Bild - Gespräche per Instant Messenger werden sogar auf der Kinoleinwand eingeblendet. Authentisch wirkt der Film vermutlich vor allem wegen seiner Darsteller: Die sind größtenteils Laien, wurden frisch vom Schulhof gecastet und hatten bei den Dialogen mehr als nur ein Wort mitzureden.
Und Sophie Marceau? Sie ist für den Film so eine Art Schutzheilige und gleichzeitig die einzige erwachsene Rolle, die mehr als nur flüchtig betrachtet wird. Fehler macht "ihre" Anne, sogar verblüffend gravierende für einen so leichten Film. Dass sie damit souverän umgeht, dass am Ende jeder im Film auf seine ganz eigene Art zufrieden ist, liegt vielleicht daran, dass Marceau vor auch schon wieder 29 Jahren die war, die in "La Boum" erwachsen werden musste. Mehr Glaubwürdigkeit geht ja wohl nicht.